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Es muss wieder los gehen (im TV)…

… denn im Trainingslager fehlten so manche Protagonisten der täglichen Sportberichterstattung. Dafür stellen sie sich an den Rand des Platzes, wenn’s zu nahegelegenen Dorfkicks geht oder telefonieren sich die Finger wund.

Rief in Österreich noch ein Journalist einer bekannten Tageszeitung an und wollte »ein paar allgemeine Informationen über den Ist-Zustand« haben – vergaß dabei zu fragen, ob der angerufene Insider den Artikel nicht lieber selbst schreiben möchte – so verschaffte sich eine Regional-anerkannte Ikone beim Kick der ersten Runde des DFB-Pokals selbst einen Überblick.

»Mein Gott, was waren die Frankfurter schwach – solch schlechte Gegner habe ich noch nie gesehen.«

Kopfschüttelnd rang der Schreiber nach Fassung, ließ dabei kaum ein Lob auf den dominierenden VfL kommen.

»Diesen Hype sollte niemand mitmachen. Der Gegner war grausam – da kannst du nur glänzen.«

Auf die Frage, Borussia habe nach der beobachteten Vorbereitung erstaunlich konzentriert und gut gespielt, ernteten wir nur ein kurzes Kopfnicken.

»Ja, ja, es ging.«

Im Übrigen meckerte und zeterte der Herr auch schon beim Heimkick gegen die Bolton Wanderers. Das Trainingslager und die drei Testspiele währenddessen begleitete er nicht.

Bleibt zu hoffen, dass die Interessierten beim Ligaauftaktspiel gegen den VfL Bochum eine höhere Transparenz über die Leistung der Borussia bekommen – nicht, dass sie noch auf angeblich so gestandene Lokal-Platzhirsche hereinfallen.

»Ich freue mich!«

Lange Zeit war es still, niemand muckt auf, niemand beschwert sich über die Aufmucker – der harte Kern fragte nach.

Harter Kern: Hallo Jan & Olaf – wir haben Euch vermisst…

Jan: Vielen Dank!

Olaf: Ja, ich möchte der Nachfrage auch danken. Es geht uns gut… äh Jan?

Jan: Ja Olaf?

Olaf: Ich hoffe, ich darf für uns beide sprechen?

Jan: Klar Olaf!

Olaf: Wie gesagt, es geht uns gut. Und ich weiß nicht, ob ich jetzt auch für Jan sprechen darf, aber ich freue mich!

Harter Kern: Wir auch!

Jan: Worüber?

Harter Kern: Dass Ihr… äh, ich meine, Olaf sich freut. Stimmt doch!

Olaf: Ja, ich freue mich – wegen Jan… da müsst Ihr ihn selber fragen.

Harter Kern: Jan? Freust Du Dich auch?

Jan: Oh ja – ich freue mich! Keine Frage. Aber weiter… legt los!

Harter Kern: Nix besonderes, aber wann geht es bei Euch weiter?

Jan: Nun, ich habe Arbeit – und Olaf Urlaub. Vielleicht passiert mal was.

Olaf: Yep, alles im Lot. Bin total entspannt. Freue mich über Euer Interesse.

Harter Kern: Das war es eigentlich schon. Wir bedanken uns bei Euch für Eure Zeit.

Jan & Olaf im Duett: Keine Ursache. Wir bedanken und freuen uns auch. Klasse, dass Ihr immer so nachfragt.

Harter Kern: Okay, dann macht es  mal gut!

Erneut Jan & Olaf im Chor: Ja, vielen Dank und grüßt herzlichst Eure Frauen.

Harter Kern: Klar, machen wir. Ihr Eure auch!

Harter Kern verlässt den Raum….

Jan: Olaf?

Olaf: Jan?

Jan: Das nenne ich mal investigativen Journalismus.

Olaf: Yep, zum Glück haben keine Fotos von meinen Frauen und Deinen Autos gemacht.

Jan: Pssst… die stehen jetzt auf der Terrasse.

Olaf: Wink mal artig.

Alle winken – alle glücklich. Hoffentlich geht es bald mit der Saison wieder los.

Hauptsache…

es wird über die Borussia geredet. So ließ sich die Gladbacher Führungsmannschaft gerne in den Gazetten ablichten. Egal was, egal wie, die Marke muss einfach im Gespräch bleiben.

Blöd, dass ausgerechnet in diesen Tagen höchstens ein Lichtlein auf den 3:2-Sieg gerichtet wird – die Scheinwerfer durchfluten den Traditionsklub gerade anderweitig.

Ich kann gar nicht mehr die Tage, Stunden oder Minuten zählen, bis es endlich wieder los geht. Samstag, im Olympia-Stadion. Die wichtige Mission geht weiter und ich sehe bei einer eher realistischen Niederlage schon die Schlagzeilen… hoffentlich macht der VfL einen Strich durch die Rechnung.

Der liebe Boulevard

Die Kampagne des Boulevard gegen Borussia Mönchengladbachs Trainer Hans Meyer gestaltete sich nicht nur in den letzten Tagen als widerliches Muskelspielchen. Auch in den Hinterzimmern wurde deutlichst gewettert.

Die Größen der ortsansässigen Boulevard-Medien schrieben, was die Feder herhielt, diffamierten, griffen an und allen voran, brachten Unwahrheiten als Tatsachen und verstecken sich hinter sogenannten Vertrauten.

Am Ende besitzen sie nicht einmal die Größe, all dies einzugestehen. Im Gegenteil, „alles richtig gemacht“ lautet die Devise.

Ja, aber es gibt doch den Pressekodex… würde so manch einer vermuten. Tja, dieser gilt lediglich für die Presse, nicht dem Boulevard. Ansonsten wären solche Worte wohl nicht zu verstehen…

Ich kann den Meyer aber einfach nicht leiden
Bernd Weber, NRW-Sportchef der Bild-Zeitung

… und im Text weiter…

Berti Vogts ist eine absolute Bratwurst
Bernd Weber, NRW-Sportchef der Bild-Zeitung

Der Bild-Chef Bernd Weber im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, nachdem er das Gespräch mit der Höflichkeit einleitete…

Moment, erst muss ich noch meine Beine auf den Tisch legen, dann kann man sich entspannter unterhalten.
Bernd Weber, NRW-Sportchef der Bild-Zeitung

Wow! Eine echte Respektperson – unabhängig, überparteilich und vor allem… investigativ!

Investigativer Journalismus

Er ist ein Riesen-Talent. Nur einer erkennt das nicht. Hans Meyer, Gladbachs Trainer, hat keinen Bock auf Marko Marin. Ständig wird der kleine Dribbelkünstler von ihm links liegen gelassen. Marin sitzt auf der Bank. Oder wird, wenn er denn mal von Anfang an ran darf, frühzeitig ausgewechselt.
Hamburger Morgenpost, Dirk Hoffmann

Ein Blick auf die Statistik verrät – nur drei Spieler besitzen mit 19 Spielen die meisten Einsätze für den VfL. Nach Minuten gerechnet führt Rob Friend die Liste an (1643 Min.), danach folgt Filip Daems (1575 Min. bei nur 18 Einsätzen), dicht dahinter Marko Marin an dritter Stelle (1418 Min. ).

Abgeschlagen auf Platz 4 liegt Patrick Paauwe (17 Spiele / 1312 Min.), vor Karim Matmour (19 Spiele / 1257 Min.). Der Rest des Teams knackt die vierstellige Minutenanzahl nicht mehr.

In Norddeutschland nennt man dies “links liegen gelassen” – natürlich “ständig”.

Vollprofi

Nein – das Wort “Charakter” will ich diesmal nicht überstrapazieren, schon gar nicht in den Mund nehmen.

Ein paar Zitate, die für sich sprechen.

Offensichtlich auch Steve Gohouri. «Seine Beschwerden waren so groß, dass er sich für nicht spielfähig empfunden hat», zeigte sich Meyer überrascht über die selbsterwählte Auszeit des Ivorers. «Im Training konnte er allerdings alles mitmachen. Aber vielleicht finden die Ärzte ja noch eine Krankheit bei ihm.» Unschwer zu erraten, wer den Titel «Verlierer des Trainingslagers» gewonnen hat.
Aachener Zeitung, 18.01.2009

«Steve hat uns gesagt, er fühle sich nicht gut und das er körperlich sehr schwach ist. Wir haben ihm gesagt, dass dies zum jetzigen Zeitpunkt der Vorbereitung ganz normal sei», umkurvte Eberl geschickt alle Fragen zu diesem Thema. Gohouri absolvierte am Sonntag nur ein leichtes Lauftraining.
Aachener Zeitung, 18.01.2009

Charakterköpfe

Mit großem Rasseln schlugen beim Premiere-Sender Borussias Charakterköpfe Laut. Alexander Voigt und Sascha Rösler fanden noch einmal Worte für ihren ehemaligen Arbeitgeber.

»Dass ich auf Hans Meyer nicht wirklich gut zu sprechen bin und ihm natürlich nicht alles Gute für das weitere sportliche Leben wünsche, ist ganz normal.«
Sascha Rösler, spox.com

Versüßt mit einer hohen Entschädigung legte ihm die Borussia bei seinem Wechsel in die zweite Bundesliga keine Steine in die Wege. Auch Alexander Voigt heuerte in der gleichen Liga an – bei Greuther Fürth.

Das Interesse der Vereine zeigt eindeutig, auf welchem Gebiet die Spieler kicken. Ob 1860 oder Greuther Fürth – klammert man das Interesse von Fortuna Düsseldorf oder Appollon Limassol (Zypern) aus.

Aber die Sicht ist nicht immer eindeutig…

»Es ist sehr schade, denn Luhukay war schon ein sehr, sehr guter Trainer für den Verein.«
Sascha Rösler, spox.com

Nicht einmal ein paar Monate ist es her, da standen Rösler und Voigt in den Schlagzeilen des Boulevards. Mit Zitaten. Mit Begründungen für einen Trainerwechsel. Quasi als Lautsprecher der Tribünenkandidaten.

»Der Trainerwechsel ist für diejenigen eine Befreiung.«
Sascha Rösler, Express vom 10.10.2008

»Am Tabellenplatz hat sich nichts geändert, doch durch den Trainerwechsel weht ein frischer Wind. Alle gehen wieder mit Freude zur Arbeit.«
Alexander Voigt, Express vom 10.10.2008

Vielleicht sind solche Aussagen nur ein Mosaikstein… die Leistungen auf dem Platz in Liga 1 führten zu dem Rest herbei.

Marko Marin…

Es klingelt noch immer im Ohr:

Seine Defensivarbeit muss besser werden…
Ein Trainer

tse, tse, tse…

Nummer 4, 5, 6 und 7…

… nach Soumaila Coulibaly, Sascha Rösler und Sharbel Touma verlassen nun vier weitere Kicker den Verein.

Uwe Gospodarek: Ex-Manager, Ex-Interminscoach und Ex-C-Trainer hievte beim Auswärtsspiel in Bochum „seinen“ Uwe Gospodarek ist Tor. Für den nicht mehr erwünschten Keller gekommen, war es die Chance der Stunde. Wirklich eindrucksvoll nutzte der Ex-Bayer die 90-Minuten nicht und als die Belastungen kurzweg der Liga angepasst wurden, zwickte es auch an verschiedensten Köperstellen. Der Torwartwechsel war nicht nur für Neu-Trainer Hans Meyer ein schweres Erbe – er entpuppte sich als völlig unnötig. Nun darf sich der ehemalige Keeper des Wacker Burghausen einen neuen Klub suchen.

Alexander Voigt: Als Innenverteidiger zum VfL gekommen, in der Vorbereitungsphase komplett nur zentral gespielt, rückte er gleich im ersten Ligaspiel beim Zweitligaauftakt gegen den 1. FC Kaiserslautern auf die Position des Linksverteidigers. Vorbei die Zeit von dem eigenen Nachwuchsmann Marvin Compper. Auf dieser so eminent wichtigen Position zogen die Gladbacher Verantwortlichen den Ex-Kölner vor. Ausgestattet mit einem Dreijahresvertrag und wunderbaren Verbindungen zu den Zeitungen seines Wohnortes, entpuppte sich Voigt als Dauerbrenner in der Aufstiegself. Bei seiner Verpflichtung noch als vielseitiger Defensivallrounder angepriesen, revidierten die Verantwortlichen ein Jahr später und sahen ihn lediglich auf der Position des linken Außenverteidigers. „Mehr kann er nicht“. Nunja, jetzt sucht Alexander Voigt notgedrungen eine neue Herausforderung.

Sebastian Svärd: Wenn einer die passenden Schuhe zur Farbe des Gürtels findet, dann „Seba“. Der sympathische Däne weiß, wie sich gekleidet wird – auf dem Platz fand er dagegen nie die Herausforderung. Zu sehr machte ihm sein eigener Körper einen Strich durch die Rechnung. Dieses hätten Borussias Verantwortliche sehen können – wollten dies allerdings nicht. Nach wenigen Kicks in der Hinrunde deklarierten sie ihn in der Öffentlichkeit zum Stammspieler und ließen ein Talent aus den eigenen Reihen im gleichen Augenblick fallen. Nun muss wie das eigene Talent der Däne den Verein verlassen, obwohl dieser seinen eh zwei Jahre laufenden Vertrag im Sommer 2007 bis 2010 um ein weiteres unnötig verlängerte.

Marcel Ndjeng: Der Marcel Ketelaer der Ist-Zeit. In Liga 2 ein echter Vorbereiter, dazu mit guten Standards ausgestattet – alles klang nach einem Neuanfang. Allerdings ist der Schritt in die höchste deutsche Liga ein großes Unterfangen, sodass Marcel Ndjeng nach Bielfeld und seinem derzeitigen Gladbach-Engagement nun als gescheitert gewertet wird. Bei Saisonbeginn noch vom Alt-Trainer Luhukay als Rechtsverteidiger-Option gesehen, schwimmen die Felle mittlerweile davon.

Bis zum 10. Januar sind die vier Kicker nun freigestellt und dürfen sich einen neuen Verein suchen. Haben sie ihn nicht gefunden, dürfen sie gesondert (und damit abseits der Profitruppe) trainieren.

Die Zeichen der Zeit wurden erkannt. Es gibt halt einen Unterschied zwischen einem überdurchschnittlichen Zweitligaspieler und einem durchschnittlichen Erstliga-Kicker. Zumindest sind die jetzigen Verantwortlichen in der Lage, diesen zu erkennen.

Ruhrpott-Logik

Im Rahmen des Neujahrs-Specials können drei Tickets zum Preis von zwei und zwei Tickets zum Preis von einem erworben werden.
Der Westen,  01. Januar 2009

Schon interessant, was sich die Macher manches mal bei einem Glas Sekt einfallen lassen.